Thomas Otte
Zurück

Öffentlichkeitsarbeit – was für ein Wort!

Er klingt allein schon wie eine trockene Scheibe Knäckebrot – dieser Begriff ‚Öffentlichkeitsarbeit‘. Ist diese ‚Öffentlichkeit‘ nicht jener gefährliche Bereich, wo man aus dem Schatten auf die Bühne tritt, wo plötzlich jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, wo im Konfliktfall die Anwälte der Gegenseite schon mit den einstweiligen Verfügungen wedeln? Dazu dann noch ‚Arbeit‘! Das klingt doch nach Mühsal, nach Mehrbelastung und Überstunden, neben all den eigentlich wichtigen Hauptaufgaben. Mit einem Wort: Der Begriff ‚Öffentlichkeitsarbeit‘ wirkt weder sexy noch vergnügungssteuer-pflichtig. Trotzdem hat er sich eingebürgert.

Zugleich zeigt sich aber an diesem einen Wort, welche Macht die Sprache hat. Weil sie in unserem Kopf unaufhörlich Anschlussbedeutungen auslöst. Jedes Wort wirkt letztlich nur als ein Auslöser, als ein ‚Trigger‘, der im Gehirn des Zuhörers unweigerlich Bedeutungsfelder aktiviert. Nehmen wir beispielsweise das Wort ‚Asyl-Tourismus‘, das der bayrische Ministerpräsident Markus Söder kürzlich in eine eh schon überhitzte Debatte warf. Der Mann nahm damit eine völlige Umdeutung des Geschehens vor: Aus Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Elend fliehen, wurden kurzerhand Urlauber, die sich in Europa doch bloß ein paar schöne Tage machen wollen. Und als zurecht die Gegenreden einsetzten, klagte Innenminister Seehofer über eine ‚Sprach-Polizei‘, die zwar niemand je sah, die aber nichtsdestotrotz dem tapferen bayrischen Löwen das Maul zu verbieten trachte. Schon wieder geisterte ein weiteres Reizwort auf dem Markt der Öffentlichkeit herum, welches gleichfalls vieltausendfach verbreitet wurde …

„Das Wort geht der Tat voran wie der Blitz dem Donner“, das wusste schon Heinrich Heine. Deshalb ist diese keinesfalls trockene Öffentlichkeitsarbeit für jeden so unverzichtbar – auch und vor allem für Betriebs- und Personalräte, die ja nicht über die materiellen Mittel der Gegenseite verfügen. Gute Öffentlichkeitsarbeit erfordert schlicht nur Intelligenz, aber fast kein Geld. Vor allem in Zeiten der ‚Social Media‘ …

Unsere Sprache ist also weder harmlos noch wirkungsarm. Sie, die nach Ansicht vieler Philosophen den Menschen erst vom Tier unterscheidet, besitzt eine geradezu unheimliche Kraft. Sie entscheidet darüber, ob wir Zustimmung finden, ob wir unsere Forderungen durchsetzen können, ob wir erfolgreich sind.

Vor allem aber kommt eins hinzu: Öffentlichkeitsarbeit bringt Spaß! Sie sorgt lustvoll für Leben in jeder Bude. Mit Hilfe der Kommunikation können wir erfolgreich Schlachten schlagen und uns in Sieger verwandeln. Vorausgesetzt, wir beherrschen ihre Gesetze und Regeln. Es gilt, treffende und wirkungsmächtige Sprachbilder zu entwickeln, das Gegenüber am Nasenring seiner eigenen Worte durch die Manege zu führen, in Teams und Gruppen tragfähige Strategien zu entwickeln, generell die Macht der Sprache immer gezielter zu nutzen. Dazu tragen die angebotenen Seminare und Schulungen bei, auf welche dieser Newsletter hinweist.

Die Kommentarfunktion ist für diesen Beitrag deaktiviert.